Bildung und Inklusion

Bildung kennen wir; Inklusion auch?

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„Die umfassende Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung von behinderten Menschen sind ein wichtiges Ziel der rheinland-pfĂ€lzischen Landesregierung. Im Zentrum steht die Inklusion, also die umfassende Teilhabe behinderter Menschen in allen Lebensbereichen wie Wohnen, Arbeit, Bildung, Freizeit und Kultur. Der gemeinsame Besuch von KindertagesstĂ€tten und Schulen, die BeschĂ€ftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, Wohnen und Leben mitten in der Gemeinde und gemeinsame FreizeitaktivitĂ€ten im regulĂ€ren Sport- und Musikverein oder in der Kirchengemeinde vor Ort sollen NormalitĂ€t werden – fĂŒr alle Menschen mit BeeintrĂ€chtigungen. Leben wie alle – mittendrin von Anfang an.“

Komplette Bildungsangebote wohnortnah im lĂ€ndlichen Raum zu schaffen sind ein wichtiges Instrument, auch dem demografischen Wandel positiv entgegen zu wirken. Inklusion bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Menschen mit Behinderung in der Schule und in allen weiteren Lebensbereiche dabei sein können. Deshalb werde ich mich dafĂŒr einsetzen, möglichst breit aufgestellte Bildungsangebote mit zu gestalten, die den lĂ€ndlichen Raum fĂŒr alle anziehend machen. Ein positives Beispiel stellt die Integrierte Gesamtschule (IGS) vor, deren Gestaltung ich bereits als Kreistagsmitglied unterstĂŒtzt habe. Hierzu gehört auch die DurchgĂ€ngigkeit der IGS bis zum Abitur:

  1. alle bisherigen Schulsysteme unter einem Dach
  2. somit ein langes gemeinsames Lernen aller SchĂŒler bis zur 9. Klasse, und dies ohne „Sitzen-Bleiben“ und
  3. die IGS als Schwerpunktschule mit Oberstufe, die auch InklusionsschĂŒlern die Möglichkeit bietet, das Abitur zu erlangen.

Als Sprecher der SPD-Fraktion im Kreistag Trier-Saarburg habe ich ohne Wenn und Aber der Einrichtung einer Oberstufe an der IGS Hermeskeil das Wort geredet. Lesen Sie nachfolgend AuszĂŒge aus dieser Rede:

Sitzung des Kreistages Trier Saarburg am 15.06.2015

Sehr geehrter Herr Landrat, verehrte Kolleginnen und Kollegen,

erlauben sie mir, bevor ich zum eigentlichem Thema Schulentwicklung Hochwald komme, eine kurze Anmerkung:
Herr Landrat, ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, dass wir die heutige Diskussion dort gefĂŒhrt hĂ€tten, wo die Menschen wohnen, die von unserer Entscheidung betroffen sind.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
ich erinnere daran, dass im Oktober 2009 der damalige Kreistag die dauerhafte Einrichtung einer vierzĂŒgigen integrierten Gesamtschule Hermeskeil beschlossen hat, mit der Maßgabe, dass frĂŒhzeitig, bei Erreichung der erforderlichen SchĂŒlerzahlen, die Einrichtung einer Oberstufe an der IGS Hermeskeil zu beantragen sei. Die erforderlichen SchĂŒlerzahlen sind bei weitem ĂŒberschritten und somit steht einer Einrichtung einer Oberstufe nichts mehr entgegen.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen, was wĂ€re aber, wenn wir wie die CDU bis noch vor wenigen Wochen „Nein“ zu einer Oberstufe sagen wĂŒrden, weil sie die IGS aus ideologischen GrĂŒnden verteufeln und eigentlich ablehnen, dann wĂŒrde die IGS zu einer Realschule Plus mutieren, die einzige integrierte Gesamtschule des Kreises wĂŒrde vor dem „Aus“ stehen.

Wir, die SPD Fraktion, werden uns ohne Wenn und Aber fĂŒr die Einrichtung einer Oberstufe an der IGS Hermeskeil aussprechen. Wir sagen Ja dazu, weil die Eltern ihre Kinder bewusst an dieser Schule angemeldet haben, wir sagen Ja, weil wir und die Eltern das Konzept einer IGS fĂŒr pĂ€dagogisch sehr wertvoll halten. Die Eltern sind ĂŒberzeugt davon, dass dieses Konzept die Entwicklung ihrer Kinder besonders positiv und nachhaltig prĂ€gt. […].
Die Eltern haben sich damals bewusst fĂŒr dieses Schulsystem entschieden, in der Gewissheit, dass zum Schuljahr 2016/2017 eine Oberstufe an „Ihrer“ Schule eingerichtet wird.

Wenn wir heute Abend „Nein“ zur Oberstufe sagen, wĂŒrden wir nicht nur den Elternwillen mit den FĂŒĂŸen treten, wir wĂŒrden auch ein erfolgreiches Schulsystem zunichte machen, und der zukĂŒnftigen Generation des Hochwaldes ein breites und modernes Schulsystem vorenthalten. […].

Als Mitarbeiter der Lebenshilfe Trier-Saarburg habe ich mit großer Freude im Gutachten gelesen, dass bei der Schulauswahl das pĂ€dagogische Konzept einer IGS als ein wesentliches Element betrachtet wird, denn hier werden SchĂŒler mit unterschiedlichen LeistungsstĂ€rken gemeinsam unterrichtet.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen,
sagen wir gemeinsam „Ja“ zur Einrichtung einer Oberstufe an der IGS Hermeskeil, damit die integrierte Gesamtschule eine Zukunft hat. Sagen wir „Ja“ zu dieser Schulform – so stĂ€rken wir den lĂ€ndlichen Raum, den Hochwaldraum. […].

Der Kreistag Trier-Saarburg hat am 15.06.2015 „grĂŒnes Licht“ fĂŒr die Einrichtung einer Oberstufe an der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Hermeskeil gegeben. Mehrheitlich beschloss das Gremium in seiner Sitzung, die Kreisverwaltung zu beauftragen, bei der Schulbehörde die Errichtung der gymnasialen Oberstufe an der IGS zu beantragen.

Kostenfreie Bildung
Bildung ist der SchlĂŒssel zu einem guten Leben und daher unverzichtbar fĂŒr soziale Gerechtigkeit, fĂŒr sozialen Aufstieg und fĂŒr ein selbstbestimmtes Leben; sie muss fĂŒr alle gesellschaftlichen Gruppen kostenfrei sein und bleiben. Von daher bin ich ein großer Verfechter der GebĂŒhrenfreiheit vom Kindergarten bis zur Hochschule. Bildung ist hohes öffentliches Gut und darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhĂ€ngig sein.

Eigene Erfahrungen
Meine berufliche TĂ€tigkeit brachte es mit sich, in verschiedenen sozialen Brennpunkten im Kreis Trier-Saarburg und der Stadt Trier gearbeitet zu haben. Es wurde mir hier sehr frĂŒh bewusst, wie entscheidend gute Bildungspolitik zur  Persönlichkeitsentwicklung unserer Kinder und Jugendlichen beitragen; kurzum: Bildung gestaltet Zukunft.

Investitionen in Bildung sind Zukunftsinvestitionen
So werde ich mich dafĂŒr einsetzen, dass das erfolgreiche Angebot der Ganztagsschulen weiter ausgebaut wird, bis hin zur verpflichtenden Ganztagsschule.

Inklusion, kein Schlagwort, sondern gelebte Chancengleichheit
Meine langjĂ€hrige berufliche Erfahrung mit Menschen mit Behinderung bestĂ€rkt mich in meiner Auffassung, dass durch das gemeinsame Leben und Lernen vom Kindergarten bis zur Berufsfindung, alle einen Mehrwert erzielen. Inklusion nicht nach der Schulausbildung enden, sondern es mĂŒssen verstĂ€rkt Ausbildungs- und ArbeitsplĂ€tze fĂŒr beeintrĂ€chtigte Menschen geschaffen werden.
Das Ministerium fĂŒr Soziales, Arbeit, Gesundheit und DemograïŹe des Landes Rheinland-Pfalz unterstĂŒtzt seit 2007 durch sein Projekt „Budget fĂŒr Arbeit“, dass Menschen die Möglichkeit bekommen, ihr Leben ohne Transferleistungen gestalten zu können. Mit Hilfe des Budgets erhalten Menschen mit Behinderung die Chance, außerhalb einer Werkstatt fĂŒr behinderte Menschen, den  Arbeitsalltag zu erproben – mitten in der Gesellschaft.

Fazit
Der gezielte Ausbau von Schwerpunktschulen, an denen noch mehr pĂ€dagogische FachkrĂ€fte eingesetzt werden mĂŒssen, ist eine gute Voraussetzung dafĂŒr, dass Inklusion ein Gewinn fĂŒr unsere Gesellschaft werden kann.

Gute Bildungs- und Inklusionspolitik stehen fĂŒr eine gute Zukunft unseres Landes.

 

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