Cattenom und der Wahlkreis 26

Liebe B√ľrgerinnen und B√ľrger,

ich bin gewiss kein Freund von Horrorvorstellungen, aber sie √ľberfallen mich, wenn ich mir¬†Katastrophen vorstelle, die uns auf dieser Erde bereits heimgesucht haben. Dabei meine ich nicht unvermeidbare Naturkatastrophen, sondern von Menschen gemachte und folgenschwerste Ungl√ľcksereignisse wie Tschernobyl, Fukushima und weitere nicht der √Ėffentlichkeit preisgegebene Geschehnisse.¬†Diese Atomunf√§lle, auch bekannt unter dem K√ľrzel GAU (gr√∂√üter anzunehmender Unfall)¬†und Super-GAU sind die Fanale und Warnsignale. Die Welt, in der wir leben, haben wir alle mitgestaltet, beteiligt sind wir immer, ob aktiv oder passiv.
Was können wir tun, um uns und unsere Nachkommen vor drohenden Verheerungen zu bewahren? Widerstand ist angesagt gegen das Weiter so, dauerhaft und nachhaltig.
Der Atomausstieg in Deutschland bedeutet deshalb f√ľr mich Daseinsvorsorge in seiner dr√§ngendsten Form.

Es gilt bis heute der vom fr√ľheren SPD-Landesvorsitzenden¬†in Schleswig-Holstein, G√ľnther Jansen, bereits 1976 gepr√§gte Leitspruch: Atomkraft? Nein, danke!

50 bis 70 km vom Gebiet des Wahlkreises 26 entfernt liegt der franz√∂sische Atommeiler direkt nebenan und bildet f√ľr uns alle das h√∂chstm√∂gliche Gefahrenpotential¬†in unserem¬†nahe gelegenen¬†und weiter entfernten Lebensraum.
Die Hauptwindrichtung ‚ÄěWest‚Äú verst√§rkt die potenzielle Angst vor einem Atomunfall. Tschernobyl und Fukushima sind die allgegenw√§rtigen Schreckensszenarien.

Kernkraftwerk Cattenom

Mit seinen vier Reaktoren ist Cattenom das drittgr√∂√üte der 58 in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke in Frankreich. Rund 50 km s√ľdwestlich von Trier, 45 km s√ľd√∂stlich von Luxemburg (Stadt) und ca. 60 km nordwestlich von Saarbr√ľcken entfernt. Die Hauptwindrichtung (West) gef√§hrdet auch deutsche Gro√üst√§dte wie Frankfurt am Main, Mainz, Wiesbaden, Darmstadt, Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe. Die Bedrohung ist allgegenw√§rtig. Foto: Stefan K√ľhn

Nicht der bl√ľtenwei√üe Wasserdampf der K√ľhlt√ľrme macht diese Angst; es sind die kleinen fast niedlich wirkenden Geb√§ude mit den halbrunden Kuppeln darauf, die das gro√üe Unheil in sich bergen und unsere Existenz bedrohen k√∂nnen. Es sind die mit aller menschlichen Unzul√§nglichkeit und Technikgl√§ubigkeit konstruierten und deshalb nicht absolut sicheren Atomreaktoren; in Cattenom derer vier!

Cattenom Google earth

Aus dem Weltraum betrachtet, von W√§ldern, Feldern und dem (K√ľhl)-See eingerahmt, wirkt das Kernkraftwerk nahe der franz√∂sischen Gemeinde Cattenom (750 Einw.) wie ein piksauberes Technikmonument; wenn da nicht die unsichtbare Gefahr lauerte.

Der bei erster Betrachtung segensreiche Atomausstieg Deutschlands mit gleichzeitigem Einstieg in die Erneuerbare Energiegewinnung wird aber dennoch zum Roulette, wenn man das unmittelbare Bedrohungspotenzial der √ľbrigen europ√§ischen Atomstaaten einbezieht. Vor allen unser westlicher Nachbar Frankreich mit derzeit 58 in Betrieb befindlichen Atomkraftwerken¬†muss uns gr√∂√üte Sorgen bereiten.¬†Es bleibt nur die Hoffnung, dass die europ√§ischen Staaten und auch die der¬†√ľbrigen Welt nicht erst die bitteren Erfahrungen machen, ehe sie im Sinne Deutschlands aussteigen.

Neben Cattenom in unserer Nachbarschaft wird nun auch noch f√ľr ein Atomendlager im ca. 150 km entfernten lothringischen Bure gebohrt. Kurz gesagt, ein Bedrohungsareal f√ľr die n√§chsten 100.000 Jahre und l√§nger¬†500 m unter der Erde kommt auf uns zu. Wie es aussieht, ist Widerstand zwecklos; Frankreich liebt scheinbar den kurzen Prozess.

Es n√ľtzt wenig, dass wir uns nur emp√∂ren. Immer wieder m√ľssen wir die Stilllegung fordern! Auf allen politischen Ebenen.

Ich stehe daf√ľr ein, dass meine fr√ľhere Gedankenlosigkeit, der Strom komme ja aus der Steckdose, schon vor vielen Jahren einer neuen √úberzeugung gewichen ist. Eine letztendlich nicht¬†beherrschbare Energiegewinnung durch Kernspaltung mit unabsehbaren Folgen f√ľr die Menschheit, muss in unser aller Interesse zur√ľckgedr√§ngt werden.

Sozialdemokraten waren es, die nach anf√§nglicher Euphorie f√ľr die Atomwirtschaft¬†als erste die Signale gegen die Atomkraft setzten.¬†Das best√§rkt mich in meiner kompromisslosen Einstellung.

„Brokdorf *) ¬†ist das erschreckende Symbol f√ľr ein technokratisches Staatsverst√§ndnis und f√ľr falsches Regierungshandeln. Und dies wird von uns nicht mitgetragen, und an diesem Punkt gibt es keine Gemeinsamkeit.“
sagte Klaus Matthiesen (SPD), vom 3. Mai 1973 bis zum 12. April 1983 Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und Oppositionsf√ľhrer im schleswig-holsteinischen Landtag und war somit einer der ersten Widerst√§ndler gegen die Energiegewinnung durch Kernspaltung und die Errichtung des Kernkraftwerkes Brokdorf.

Wer¬†die Geschichte des Atomwiderstandes der SPD kennen lernen will, kann dies hier ausf√ľhrlich nachlesen.¬† http://www.spd-geschichtswerkstatt.de/wiki/Atomkraft

*) derzeit ältestes in Betrieb befindliches Atomkraftwerk in Deutschland (Bauzeit von 1976 bis 1986). Die Abschaltung erfolgt gemäß Atomgesetz zum 31.12.2021.

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