Flüchtlinge und Asylbegehrende im Wahlkreis 26

Flüchtlinge Willkommen

Ein mehr als erfreulicher Anblick bot sich den Wiltinger Gemeindearbeitern am 2. September, als sie auf dem neu gestalteten Dorfplatz in Wiltingen den Willkommensgruß REFUGEES WELCOME (Flüchtlinge Willkommen) vorfanden. Niemand wird es mir verdenken, dass ich als Bürgermeister der Gemeinde mit Stolz diesem Gruß zumindest optische Unterstützung verleihen konnte. Gefreut hat mich auch, dass die anfangs anonymen Boten sich zu erkennen gegeben haben. Jugendliche aus Wiltingen, die ausdrücklich nicht genannt sein wollen, haben mit dieser Aktion ein Zeichen gesetzt. Mein Dank ist ihnen gewiss.

Die Flüchtlingsfrage ist beileibe kein Wahlkampfthema, umso mehr aber Motivation für politisches Handeln. Für die ums nackte Überleben kämpfenden Menschen darf es zunächst nur eine Devise geben: Hilfe in der größten Not.

Hochwaldkaserne

Menschenwürdige Unterkunft für Flüchtlinge und Asylsuchende in der ehemaligen Hermeskeiler Hochwaldkaserne. Foto: Axel Munsteiner

In der ehemaligen Hochwaldkaserne in Hermeskeil entsteht wegen der dramatisch ansteigenden Flüchtlingszahlen eine weitere Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA). Stadtrat und Verbandsgemeinderat Hermeskeil stimmten nach intensiven Beratungen fast ausnahmslos für das AfA-Projekt Hermeskeil.

Nach 10.000 im Jahre 2014 rechnen die rheinland-pfälzischen Behörden in diesem Jahr mit rund 20.000 Flüchtlingen. Das Land, der Kreis und die Verbandsgemeinde gewähren der Stadt, neben den anfallenden Kosten für die Flüchtlingsbetreuung und Versorgung, für den hochnotwendigen dritten Standort in Rheinland-Pfalz Unterstützung für kommunale Aufgaben wie z.B. den Erhalt des Krankenhauses und personelle Aufstockung der Polizei. Bis zu 750 Flüchtlinge sollen in Hermeskeil Platz finden; wahrlich eine Mammutaufgabe für die Verantwortlichen und außergewöhnliche Sonderbelastung für die Kleinstadt mit ca. 5.700 Einwohnern.

Um den Flüchtlingen zu helfen braucht es eigentlich nicht viel. Herzurichtender Wohnraum in leer stehenden Kasernen, Wohngebäude, geschlossene Schulen und sonstige öffentliche Bauwerke bieten trockene, warme Unterkünfte, sofern der politische Wille sich nicht in Wehklagen erschöpft. Städte und Gemeinden müssten die leerstehenden Objekte nur melden; es gibt sie in großer Anzahl. Oft sind es hanebüchene Argumente etlicher Kommunen und Rathausbesatzungen, die mit Befürchtungen aufwarten, dass etwa der Tourismus darunter leiden könnte.

Die Flüchtlinge wollen nicht unseren Wohlstand, sondern unsere Hilfe und Mitgefühl. Dass es an letzterem häufig mangelt, liegt nicht selten auch daran, dass man befürchtet, sich die Gunst der Wähler zu verscherzen.

Die Welle der verfolgten und notleidenden Menschen in aller Welt ebbt absehbar nicht ab. Die täglichen Schreckensmeldungen zum Fluchtgeschehen über das Mittelmeer machen deutlich, wie Hilfe sein muss. An der Welt, in der wir leben, sind wir alle beteiligt.

Wenn die Grundlagen unserer christlich-abendländischen und ethischen Kultur Wert haben sollen, dann müssen wir mit allen unseren Möglichkeiten für die Menschen eintreten, die nur noch ums Überleben kämpfen. Niemand verlässt freiwillig seine Heimat. Ob in seinem Land Krieg herrscht oder wirtschaftliche Not – allen gemeinsam ist der Überlebenswille. Als Nation mit größter wirtschaftlicher und finanzieller Kraft können und müssen wir helfen. Obwohl ein zwingenden Zusammenhanges zwischen Flüchtlingselend und Einwanderung nicht besteht, ist ein Einwanderungsgesetz in Deutschland geboten. Das Gebot der Politik lautet deshalb, zuerst helfen in der Not, um dann ohne Not ein Einwanderungsgesetz auf den Weg zu bringen.

Deshalb hat die Politik ihre Aufgaben zu machen; aber ganz ohne Wahlkampfattitüden. Das gilt letztendlich auch bis hin zu dem Bürgermeister einer kleinen Gemeinde, wie Wiltingen an der Saar.
Flüchtlinge Willkommen

2 Gedanken zu „Flüchtlinge und Asylbegehrende im Wahlkreis 26

  1. So und nicht anders! Hervorragende Stellungnahme!
    Dass das kein Spaziergang wird, darf nicht dazu führen, dass wir unsere Werte über Bord werfen und versuchen uns einzumauern.

  2. Auch wenn an den Stammtischen hierzulande und auch in unserem beschaulichen und meist friedlichen Wiltingen oftmals starker Tobak geredet wird, finde ich „Leute steht auf und lasst euch nicht vom diesen dummen ewig Gestrigen eine Meinung aufzwingen“!
    Man stelle sich nur mal vor: Cattenom fliegt in die Luft und halb Rheinland-Pfalz wäre radioaktiv verseucht. Unbewohnbar auf Jahre oder gar Jahrzehnte.
    Wir müssten unser geliebtes Wiltingen vielleicht für immer verlassen.
    Wir würden uns wundern wenn wir tollen Deutschen in unserem eigenen Land plötzlich als Fremdkörper in einer anderen Region angesehen würden. Unsere Eltern haben ein solches Elend schon mal erlebt.
    Als bekennender Türkenfreund (dafür wurde ich oft belächelt) kann ich nur sagen: habt keine Angst vor dem Islam und seinen Menschen, so gut wie wir sind sie allemal.

    Gruß Walter

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